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Spiritualität

Sein Gleichgewicht entdecken im Geheimnis der Himmelsleiter

Mit dem farbenprächtigen Bild einer Himmelsleiter ermöglicht der slowenische Künstler Matej Metlikovic den Patienten in Pfäfers eine Begegung mit heilenden und ausgleichenden Lebenskräften.

Es gibt doch immer diese beiden Seiten, Herz und Verstand, Kopf und Bauch, Denken und Fühlen. Während sich die Logik des Wortes an das Denken richtet, erreichen Bilder eher das Herz. Und weil Gottvertrauen ein ganzes Leben umgreift, hat es sich von Beginn an nicht nur in Predigten Ausdruck gesucht, sondern auch in Bildern. Das Gehirn hat ja auch zwei Hälften, eine für die Kunst, die andere für die ach so wichtige Logik. 

Der schmale Grat der Balance

Dass beide Seiten in Balance bleiben, scheint für die meisten normal. Ist es aber nicht. Niemand ist davor gefeit, dass sie auseinanderdriften, dass Fühlen und Denken unerwartet ein Eigenleben führen. Dann aber steht das «Funktionieren» auf dem Spiel. Unsere auf Erfolg getrimmte Gegenwart bezeichnet das rasch einmal als «Störung» und stigmatisiert Betroffene. Deshalb haben es Psychiatriepatienten immer noch so elend schwer. Weil «nicht-funktionierende» Menschen die anderen daran erinnern, wie schmal der Grat ist, auf dem einer seine Balance behält. 

«Tief unten fliesst die nahe Tamina, Fische, Wellen, wilde Wasser und Ursprung des Lebens, Schöpfung, die aus dem Dunkel ans Licht steigt, von der heilsamen Quelle gespeist.»

Umso wichtiger ist es, gerade an einem Ort, an dem Betroffene sich oft so verzweifelt wie mutig den Fragen ihrer Balance und Identität stellen, einen Raum zu schaffen, der sie dabei unterstützt, anregt und fördert. Wohl deshalb findet sich in der psychiatrischen Klinik St. Pirminsberg zu Pfäfers eine kleine Kapelle, ein Kraftort mit erhebender Kreuzkuppel und bergenden Wänden. Hier ist seit alters her ein freier Raum zum Schweigen und Beten, aber auch fürs Sehen und Betrachten. Er steht immer offen und will dafür da sein, das ganze Erleben seiner Besucher zu achten, mit all ihrer Unruhe und Sehnsucht, mit Zweifel und Hoffnung. Und der Raum will unterstützende Impulse anzubieten. Darum bekommt er nun ein Bild, das dazu anregt. 

Ein Lied mit sieben Strophen

Das Bild ist komponiert wie ein Lied mit sieben Strophen, die von oben nach unten gelesen werden können oder auch umgekehrt von unten nach oben, wie eine Himmelsleiter, wie sieben Schöpfungstage voll Bodenhaftung und Freiheit. Im Himmelsvogel ganz oben lässt sich denn auch das Freie, Leichte, ja, der Geist des Heiligen sehen oder – für weniger fromm Gestimmte – Pink Floyds Albatros aus den «Echoes», der über den Tiefen des Labyrinths schwebt. So wie der Engel im Feld darunter, der Vogel der Seele, wie Rilke ihn nannte. Das dritte Bild zeigt ein Antlitz mit erhobenen Händen. Es lebt vom Impuls des Anrufens, des Ringens, der Sehnsucht. 

Begegnung als Mitte

Das mittlere Bild lässt Begegnung spüren. Da erkennen sich zwei. Das Ich wird am Du zum Ich. Feuer der Liebe leuchtet auf. Heilsam. Darunter das Herz, eingerahmt von freudigen Farben. Dazu ein Antlitz, versunken im Traum der Nacht. Birgt es die Hoffnung auf Neues, Geburt, Einklang? Dann Szenen aus der Landschaft rund um die Klinik, saftiges Grün, Wälder, eine springende Gams. Erinnern sie sich an das Lied vom guten Hirten? Tief unten fliesst die nahe Tamina, Fische, Wellen, wilde Wasser und Ursprung des Lebens, Schöpfung, die aus dem Dunkel ans Licht steigt, von der heilsamen Quelle gespeist.

Der Geist des Ortes

Der Künstler sagt: «Ich greife mit meinem Bild den Spiritus Loci auf, den Geist dieses Ortes mit seiner uralten Tradition, als einen Ort der Genesung. Dazu biete ich dem Betrachter Bilder an, die seinen ganzheitlichen Prozess begleiten, mit Wachsen, Sich-Entwickeln, Sich-Transformieren. Dieser Prozess neuer Balance liegt geheimnisvoll geborgen in all den Ebenen des Lebens, zwischen Hoch und Tief, Licht und Dunkel, Sichtbar und Unsichtbar, Himmel und Erde.»

Für die Psychiatrie-Seelsorge ist dieses Bild ein Glücksfall. Es konzentriert den Spiritus Loci des Pirminsberges mit seiner einmaligen Bergwelt, seiner wertvollen Klostergeschichte und seiner jahrhunderte-alten Therapieerfahrung in wenigen Farben und Strichen. Es greift zugleich das so vielfältige Erleben der Patienten auf und bietet wertvolle Bezüge in die christliche Symbolik der Heilung an. Diese aber bleiben offen, einladend, anregend, bergend, begleitend. Soweit die Erklärung für den Kopf. Das Herz jedoch mag noch ein wenig betrachten. Und aufatmen. 

 

Text: Reinhold Meier, Psychiatrie-Seelsorger und Journalist | Fotos: pd  – Kirchenbote SG, Juli-August 2017

 


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Kantonaler Singtag  | Artikel

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Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

 

 


500 Jahre Reformation   | Artikel