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Kirche

Wenn ich rufe

Am 9. Dezember kommt es unter die Leute: Ein Buch mit 120 Gebeten von Personen aus dem ganzen Kanton St. Gallen. Carl Boetschi von der Arbeitsstelle Pastorales gibt Auskunft über die Entstehung des ungewöhnlichen Buchs.

Kibo: Woher stammt die Idee? 
C.B.: Die Idee für das Gebetsbuch stammt von Kirchenrat Heinz Fäh, Pfarrer in Rapperswil-Jona. Er wollte zum Reformationsjubiläum auch etwas Nachhaltiges schaffen, ein Zeitdokument, das die Gebetssprache von Menschen im Kanton spiegelt. 

Warum ein Gebetbuch?
Beten ist heute für viele schwierig geworden. Dieser Sprachlosigkeit wollten wir etwas entgegensetzen und dazu ermuntern, das Geheimnis des Lebens in Worte zu fassen.  

Wie wurde vorgegangen? 
Der Kirchenrat musste das Projekt bewilligen, dann setzten wir eine Redaktionskommission ein – möglichst gemischt und mit Fachpersonen in Sprache und Theologie. 

Was war die Vorgabe? 
Wir baten um Gebete zu spezifischen Orten, Zeiten und Situationen. Als die Pfarrerschaft nur zögerlich Gebete zur Verfügung stellte, mussten wir reagieren und fragten gezielt Personen mit verschiedenen Berufen an, z.B.  einen Geschäftsmann, was ihm auf der Zunge liege, wenn er nicht schlafen könne usw. 

Wie wurden Gebete ausgewählt? 
Die Redaktionskommission hat die Gebete anonymisiert zu Gesicht bekommen. So konnten wir vorurteilsfrei im Gespräch auswählen und zusammen die Texte redigieren, vor allem kürzen. In der Regel waren die Autoren glücklich mit diesen Kürzungen. 

Wie sind die Gebete gegliedert? 
Die Vorgabe «Orte, Zeiten und Situationen» hat sich bewährt. Es gab Gebete zu den Orten Wasser und Berge, dann zu den Tageszeiten, zum Jahreskreis und Lebenslauf und bei den Situationen die aus dem Gottesdienst bekannten Formen wie Danken, Klagen, Bitten usw. Ein Kapitel bilden Gebete in andern Sprachen, den Schluss machen Bekenntnisse.  

Wo wurde das Buch gedruckt? 
Der Theologische Verlag Zürich (TVZ) hat unser Projekt bestens betreut. Die Gebete wurden nochmals von einer Theologin professionell redigiert. Die Illustrationen stammen von der St.Galler Künstlerin Monika Ott.

Warum Kunst und keine Fotos? 
Mit Fotos wäre der Fokus zu sehr fixiert und eingeschränkt worden. Kunstbilder lassen mehr offen und geben Raum zu eigenen Gefühlen und Assoziationen. Auch konnten wir damit eine einheitliche Symbolsprache realisieren. Die nur angedeuteten Menschen gehen vorwärts, aufwärts … und zeigen darin die innere Ausrichtung, die Gebetsrichtung. 

Woher stammt der Titel? 
In Psalm 4, 2 heisst es: «Erhöre mich, wenn ich rufe!» – Unser Buchtitel «Wenn ich rufe» kann auf Gott oder den Menschen bezogen werden. Oft ist nicht klar, wer zuerst ruft. 

 

Interview: Andreas Schwendener – Bild: Joël Roth   – Kirchenbote SG, Dezember 2017

 

Drei Gebete aus dem St.Galler Gebetbuch «Wenn ich rufe»

Gebet einer Mutter
An den Dreiweihern in St.Gallen

 

Ausatmen, hier. Und deine Nähe suchen.

Fern von Legobausteinen und Puppenkleidern.

Fern von Windeln, Wutanfällen und Wieso-Fragen.

Ruhig werden, jetzt. Und deine Stille hören.

Ohne Mami-Rufe.

Ohne Jammergeräusche und Trotzschreie.

Loslassen, nun. Und deine Vergebung suchen.

Für unkontrolliertes Zurückschreien.

Für geworfene Legosteine und unbeantwortete Fragen.

So tief ist meine Liebe. So schwach sind meine Nerven.

Ausatmen will ich. Ruhig werden. Loslassen.

Hier, jetzt und nun.

_______________

 

An Weihnachten
Inspiriert von «Es ist ein Ros entsprungen»

 

Du, wahrer Gott und wahrer Mensch,

Anfang und Ende,

von Engeln besungen,

in die Welt hineingeklungen.

Lass mich Wurzeln finden in dir.

Blühe auf in mir.

In Kälte,

in Finsternis,

mit deinem hellen Schein.

Wunderbar,

geheimnisvoll, 

wie eine Rose.

________________

 

Zum Jahreswechsel

 

Gott, im neuen Jahr sind wir vor dir.

Voller Hoffnung:

Das Jahr ist noch frisch und unberührt.

Wir hoffen auf gute Tage.

Voller Sehnsucht erwarten wir,

dass vieles besser werde.

Doch wir sind auch voller Zweifel:

Die Erfahrung lehrt uns,

ein neues Jahr wendet weder Leid noch Elend.

Hoffnung und Sorge,

beides legen wir in deine Hand

und bitten um deine Nähe.


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