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Spiritualität

Zwingli im Original lesen

Das Johannesevangelium enthält keine Einsetzungsworte zum Abendmahl, hingegen einen Dialog, in dem sich Jesus als Brot des Lebens bezeichnet. In seinem «Kommentar über die wahre und falsche Rellgion» von 1525 verwehrt sich Zwingli dagegen, dass die Kirche diesen Text auf die Eucharistie bezieht. Was Johannes schreibt, beziehe sich auf ein geistliches Essen, das im Glauben geschieht, auch unabhängig vom Abendmahl.

«Es ist demnach der Glaube, der allen Hunger und Durst stillt. Aber welchen Hunger und welchen Durst? Natürlich den der Seele. Also ist es allein der Glaube an Christus, der die Seele sättigt und tränkt …» 

«Dann fügt er über alles hinaus auch noch hinzu ‹Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm› (Joh. 6, 56). Das ist den Ungläubigen zur Verstockung, den Gottesfürchtigen aber zur Unterweisung gesagt. Und auch daran kann man erkennen, dass Christus hier nicht vom sakramentalen Essen redet – denn, o Jammer, Ungezählte essen und trinken sakramental Leib und Blut Christi und sind doch nicht in Gott und Gott nicht in ihnen, ausser
insofern als er auch in einem Elefanten oder in einem Floh ist –, sondern vom Essen des Glaubens; denn wer glaubt, dass er durch die Hingabe Christi erlöst und durch das Vergiessen seines Blutes abgewaschen ist, der bleibt zweifellos in Gott. Er wirft ja sein ganzes Vertrauen fest auf den Sohn Gottes und richtet seine Hoffnungen nirgends anderswohin; denn er kann nach keinem andern Gut dürsten, da er das höchste Gut bereits geniesst. – Ich rede aber vom Ge­niessen Gottes – soweit es uns Menschen hier im Pilgerzustand zukommt –, … denn die Gottesfürchtigen geniessen Gott, solange sie hier auf Erden sind, was freilich allen denen unbekannt ist, deren Herzen nicht von der Liebe zu Gott entbrannt sind.» 

«Ich hebe euch durch Gleichnisse und durch liebliche Allegorien zu den himmlischen Dingen empor, ihr jedoch bleibt unter der Schwerkraft des Unglaubens immer am Boden sitzen. Es ist eine geistige Sache, von der ich rede, es handelt sich nicht um körperliche Dinge, sondern Geist lehrt Geist. Gottes Geist, sage ich, geruht, den armen Geist des Menschen zu sich zu ziehen, ihn mit sich zu verbinden und zu verknüpfen, ihn ganz in sich umzuwandeln. Das nährt die Seele, macht sie fröhlich und des Heils gewiss. – Was ist das anderes als Seelenspeise? Oder mit welchem Bild kann es passender ausgedrückt werden als mit dem der Speise? Denn wie ein hungriger Magen frohlockt, wenn die Speise in ihn hineinfliesst, durch welche dann die verbrauchten Lebensgeister, die verbrauchte Wärme und Kraft erneuert werden, so frohlockt die hungrige Seele, wenn sich Gott ihr eröffnet, vor Freude, nimmt von Tag zu Tag immer mehr zu, wird kräftiger und verwandelt sich in Gottes Bild, bis sie zum vollkommenen Menschen heranwächst. Es ist also geistliche Speise, von der ich rede. Denn allein der Geist gibt sie, da er allein die Seele zu sich zieht und wieder herstellt.»  

«Nachdem nun Christus offen gelehrt hatte, das besagte Essen sei ein solches mit dem Geist, nicht mit dem Mund, da das Fleisch ja gar nichts hilft, fügt er hinzu ‹Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. (Joh. 6, 63)› 

Es geht aus der ganzen Heiligen Schrift hervor, dass die Hebräer ‹Wort› als Bezeichnung für eine ganze Sache, für ein ganzes Geschehen und einen Vorgang brauchen, Lukas 1, 65: ‹Durch das ganze Bergland von Judäa hin wurden alle diese Worte verbreitet.› Darum müssen Christi Worte an unserer Stelle so verstanden werden: Die Sache, die ich euch erläutert habe, ist der himmlische Geist, und er verschafft denen das Leben, die sich ihm anvertrauen.»

«Das soll also eine eherne Mauer sein: ‹Das Fleisch hilft nichts› (Joh. 6, 63). Geh jetzt und führe alle Waffen heran, Wurfmaschinen, Rammböcke, Schirmdächer und jede Art von Geschossen. Du wirst sie nicht umwerfen, ja nicht einmal erschüttern. Du musst also anders vom Fleisch und Blut dieses Sakraments denken, …» 

Huldrych Zwingli, Schriften III, S. 259–272

 

Textauswahl und Bild: Andreas Schwendener – Kirchenbote SG, April 2017

 

Ich bin das Brot des Lebens

Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch, nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 

Denn Gottes Brot ist dasjenige, das vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt. Da sagten sie zu ihm: Herr, gib uns dieses Brot allezeit! Jesus sagte zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr Hunger haben, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. … Denn mein Fleisch ist wahre Speise, und mein Blut ist wahrer Trank. 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird auch durch mich leben, wer mich isst. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und mit diesem Brot ist es nicht wie mit dem, das die Väter gegessen haben und gestorben sind; wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kafarnaum lehrte.    

Joh. 6, 32–35, 55–59


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Ein Zwingli-Bier für den lauen Sommerabend  | Artikel
Ein Bier zum Jubiläum: Das Zwingli Bier ist gebraut –  zu Ehren von Huldrych Zwingli, nach alter Tradition, ein gutbürgerliches Bier. Im Stil ist das Zwingli-Bier ein Urweizen mit vier Getreidesorten, darunter auch die alten Sorten Emmer und Dinkel. Im Geschmack entspricht das Zwingli Bier einem Bier …von früher»: rotbraun in der Farbe, naturtrüb, trocken und mit einer dezenten Sauerteigbrot-Note, wie es im Newsletter  mit Veranstaltungen zu 500 Jahre Reformation St. Gallen heisst. 

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Kantonaler Singtag  | Artikel

Am kantonalen Singtag vom Sonntag, 29. Oktober 2017  von 14 bis 17.30 Uhr wird nicht nur das neue Liederbüchlein Lebensgrund präsentiert sondern vor allem gesungen! Singen Sie mit!

Programm

14:00 Uhr: Lieder kennen lernen und proben mit Andreas Hausammann und Mitgliedern der Spurgruppe Repertoire
Pause
15.45 Uhr 16.15 Uhr: Gemeinsames Singen mit Band und Texten von Carl Boetschi 

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

 

 


Zwingli by Daniel Lienhard  | Artikel

Fragt nun aber jemand: Wie können wir denn wieder
zu Einigkeit und Frieden kommen?
So hiesse die Antwort: Mit der Beseitigung des Eigennutzes.

Huldrych Zwingli im Gespräch mit einem Banker.